Wandern macht bewandert.

Let`s go – jeder Schritt hält fit : Gesundheitswanderungen in Wittgenstein ab 2010

Der Deutsche Wanderverband, Dachverband von 58 Wandervereinen mit 600.000 Mitgliedern, präsentiert sein neues Projekt. Gemeinsam mit seinem Kooperationspartner, der Fachhochschule Osnabrück, will er mehr Menschen zum regelmäßigen Wandern und damit zu mehr Bewegung animieren. „Let`s Go - jeder Schritt hält fit“ ist das Motto des vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projekts, das am 15.03.2008 startete.

Dieses Projekt spricht das Körper-Seele-Geist-Erleben an und verfolgt damit einen ganzheitlichen Ansatz, um positive Bewegungserfahrung zu vermitteln.

Die Entwicklung neuer Gesundheitssportangebote gewinnt zunehmend an Bedeutung, da:

-          körperliche Inaktivität als zentrales Gesundheitsproblem in Industrieländern gilt,

-          weit verbreitete gesundheitliche Einschränkungen sowie chronische Erkrankungen mit modernen Lebensgewohnheiten wie Bewegungsmangel oder falsche Ernährung in Verbindung gebracht werden,

-          die Auswirkungen chronischer Erkrankung gravierend für die individuelle Lebenssituation sind.

Damit besonders Neu- und Wiedereinsteigern in den Sport der Eintritt erleichtert wird, sind niedrigschwellige Angebote gefragt, die nicht überfordern und Spaß an der Bewegung vermitteln. Hierzu eignet sich das Wandern in besonderer Weise. Es verbindet körperliche Aktivität, Naturerlebnis und Aktivität miteinander. Weitere positive Aspekte sind, dass es nicht mit einer besonders zu erlernenden Technik einhergeht und fast überall ohne großen Aufwand durchzuführen ist. Dadurch ist es in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen eine ideale Bewegungsmöglichkeit für alle Altersklassen.

Das Projekt hat unter anderem ein wesentliches Unterziel: die Ausbildung von Gesundheitswanderführern.

Das Ziel der Fortbildung ist es, handlungskompetente Gesundheitswanderführer auszubilden. Die Inhalte der Fortbildung ergeben sich aus den Kernzielen der Gesundheitswanderungen:

1. Stärkung physischer Gesundheitsressourcen
2. Stärkung psychosozialer Gesundheitsressourcen
3. Verminderung von Risikofaktoren
4. Bewältigung von Beschwerden und Mißbefinden
5. Aufbau von Bindung an gesundheitssportliche Aktivität

Was ist denn nun ein Gesundheitswanderführer bzw. was unterscheidet ihn vom Wanderführer? Hierzu die offizielle Definition „Gesundheitswanderführer/in“: „GesundheitswanderführerInnen sind vom Deutschen Wanderverband ausgebildete und autorisierte Wanderführerinnen und Wanderführer, die neben den Qualifikationen als Wanderführer des Deutschen Wanderverbandes gesundheitsrelevante Inhalte zu Prävention und Gesundheitsförderung durch aktive Übungen, Wissensvermittlung und Verhaltensänderung im wanderspezifischen Umfeld (Setting) nachhaltig vermitteln. Dabei ist das Ziel der GesundheitswanderführerInnen nicht nur die Reduzierung von Bewegungsmangel sondern auch die Vermittlung eines positiven Körper-Geist-Seele-Erlebens, das beim und durch das Wandern erfahrbar gemacht wird und sich auf das Alltagsverhalten im Sinne eines positiven Aufbaus von Gesundheitsressourcen bemerkbar macht.“

Beispiele von Gesundheitswanderungen

Im Folgenden werden beispielhaft Umsetzungsmöglichkeiten der Gesundheitswanderungen vorgestellt. Dabei werden schwerpunktmäßig die Themen Kräftigung, Mobilisation, Koordination und Entspannung veranschaulicht. Die Ausdauer wird im Rahmen der Gesundheitswanderungen nicht explizit mit Maßnahmen berücksichtigt, da sie schon während der Wanderung selbst hinreichend gestärkt wird. Darüber hinaus werden Maßnahmen zur Verbesserung psychosozialer Gesundheitsressourcen, zur Verminderung von Risikofaktoren und zur Bewältigung von Beschwerden und Mißbefinden in die Gesundheitswanderung involviert.

Beispiel 1 „Gesundheitswanderung Mobilisation und Kräftigung“

Zielgruppe:           Menschen mit Bewegungsmangel, Streckenprofil leicht bis mittelschwer

Hauptziel:              Die Teilnehmer erlernen Übungen zur Mobilisation und zur Kräftigung

Subziel:                  Risikofaktor „Bewegungsmangel“ erkennen und vermindern

Dauer:                    8 Einheiten à ca. 2 Stunden

PHASEINHALT

Einstiegsphase (ca. 10 Minuten)

Begrüßung, Nennung der Ziele, Ruhepuls messen

Aufwärm- und erste Ausdauerphase (ca. 30 Minuten)

Wanderung, Messung Belastungspuls, Messung Erholungspuls, Möglichkeit der Interaktion

Hauptteil (ca. 30 Minuten)

Mobilisationsübungen, Kräftigungsübungen, Lockerungen, Hinweise zum Risikofaktor "Bewegungsmangel", Tips für mehr Bewegung im Alltag

zweite Ausdauerphase (ca. 30 Minuten)

Wanderung, Interaktionsmöglichkeiten in der Gruppe

Entspannungs- und Abschlussphase (ca. 20 Minuten)

Dehnungsübungen, Entspannungsübungen Reflexion der Teilnehmer

Beispiel 2 „Koordination und Sturzprophylaxe“

Zielgruppe:           ältere Menschen mit Bewegungsmangel, Streckenprofil leicht

Hauptziel:              Die Teilnehmer erlernen Übungen zur Verbesserung der Koordination

Subziel:                  Vermittlung von Handlungs- und Effektwissen über effektives Koordinationstraining

Dauer:                    8 Einheiten à ca. 2 Stunden 

PHASE

INHALT

Einstiegsphase (ca. 10 Minuten)

Begrüßung, Nennung der Ziele, eigene Erfahrungen der Teilnehmer mit Gangunsicherheit/Koordinationsproblemen

Aufwärm- und erste Ausdauerphase (ca. 30 Minuten)

Wanderung, Möglichkeit der Interaktion

Hauptteil (ca. 30 Minuten)

Koordinations- und Gleichgewichtsübungen, Fragen an die Teilnehmer: Warum ist Koordinationstraining sinnvoll? Warum spielen die Augen eine große Rolle für das Gleichgewicht?, Gruppenspiel "Eierlaufen", Partnerübungen

zweite Ausdauerphase (ca. 30 Minuten)

Wanderung, Interaktionsmöglichkeiten in der Gruppe

Entspannungs- und Abschlussphase (ca. 20 Minuten)

Dehnungsübungen, Entspannungsübungen, Reflexion der Teilnehmer